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Wehen erkennen — Übungs-, Senk- und Geburtswehen unterscheiden

„Sind das jetzt Wehen?“ Fast jede Schwangere stellt sich diese Frage. Hier ist dein ruhiger, evidenzbasierter Guide: welche Wehenart wann, wie sie sich anfühlt, und wann du wirklich in die Klinik musst.

EvidenzbasiertAktualisiert: April 2026
Inhaltsverzeichnis

Die vier Wehenarten im Überblick

Wehen sind nicht gleich Wehen. Der menschliche Uterus zieht sich bereits ab der Frühschwangerschaft regelmäßig zusammen — die meisten Kontraktionen spürst du gar nicht. Vier Wehenarten sind im dritten Trimester und rund um die Geburt relevant.

Übungswehen (Braxton Hicks) — ab SSW 20

  • Unregelmäßig, meist schmerzlos oder nur leicht unangenehm
  • Kurz, meist 20–60 Sekunden
  • Bauch wird kurz hart, dann wieder weich
  • Werden nicht stärker oder häufiger
  • Gehen durch Ruhe, Trinken, Positionswechsel weg
  • Trainieren die Muskulatur, öffnen den Mutterrmund nicht

Senkwehen — letzte 2–4 Wochen

  • Ziehen im Unterleib, oft nach unten und in die Leiste
  • Häufiger als Braxton Hicks, aber immer noch unregelmäßig
  • Begleitet von „Bauch wird tiefer“, leichteres Atmen, häufigeres Pinkeln
  • Bereiten die Position des Babys vor — kein Geburtsbeginn
  • Bei Mehrgebärenden erst kurz vor Geburt, bei Erstgebärenden 2–4 Wochen vorher

Vorwehen — die letzten Tage

  • Menstruationsartiges Ziehen im Unterbauch und Rücken
  • Rhythmischer als Senkwehen, aber noch nicht regelmäßig
  • Dauer 30–60 Sekunden
  • Meist nachts spürbar, tagsüber ruhiger
  • Modellieren den Muttermund vor, er wird weicher und reift
  • Typisch: Gehen durch warmes Bad oder Ruhe kurz weg

Geburtswehen — jetzt geht’s los

  • Regelmäßig und werden mit der Zeit häufiger
  • Werden länger und intensiver, nicht schwächer
  • Dauer 45–90 Sekunden, irgendwann alle 3–5 Minuten
  • Schmerz wellenförmig, oft tief im Kreuz beginnend und um den Bauch
  • Gehen NICHT weg bei Positionswechsel, Ruhe, warmem Bad
  • Oft begleitet von Zeichnen (blutiger Schleim) oder Blasensprung

Übung oder echt? So unterscheidest du

Die DGGG (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe), ACOG und WHO beschreiben drei einfache Unterscheidungsmerkmale, die zu Hause helfen.

Die 3-Fragen-Prüfung

  1. Zeitrhythmus: Kommen sie regelmäßig und werden sie häufiger? (ja = eher Geburt)
  2. Intensität: Werden sie stärker, nicht schwächer? (ja = eher Geburt)
  3. Reaktion auf Maßnahmen: Gehen sie durch warmes Bad, Trinken und Positionswechsel weg? (ja = Übung/Senk/Vor)

Die 5-1-1-Regel

Die 5-1-1-Regel ist der internationale Standard (ACOG, NICE, DGGG), wann Erstgebärende mit ungestörter Schwangerschaft in die Klinik fahren:

  • 5 — Wehen kommen alle 5 Minuten
  • 1 — Jede Wehe dauert mindestens 1 Minute
  • 1 — Dieses Muster hält mindestens 1 Stunde an
  • Bei Mehrgebärenden eher 7-1-1 oder früher in die Klinik (der Geburtsverlauf ist oft schneller)
  • Bei Risiko-Schwangerschaften, weiter Anfahrt oder nach Kaiserschnitt: früher anrufen

Rote Flaggen — sofort in die Klinik

Egal ob Wehen oder nicht: bei folgenden Zeichen gilt die 5-1-1-Regel nicht mehr — du musst sofort in die Klinik oder die 112 rufen.

Sofort in die Klinik — oder 112

  • Frische, hellrote vaginale Blutung — mehr als nur Zeichnen
  • Blasensprung mit grünem, bräunlichem oder übelriechendem Fruchtwasser
  • Deutlich reduzierte oder fehlende Kindsbewegungen in den letzten 2–4 Stunden
  • Dauerschmerz im Bauch, der nicht in Wellen kommt (Verdacht auf Plazentallösung)
  • Starke Kopfschmerzen, Sehstörungen, Übelkeit, Oberbauchschmerzen (Verdacht auf Präeklampsie)
  • Fieber über 38 °C in der Schwangerschaft
  • Wehen vor 37+0 SSW und regelmäßig — mögliche Frühgeburt

Mit Wehen umgehen — Schmerzbewältigung

WHO, NICE und die DGGG-Leitlinie zur vaginalen Geburt sehen Schmerzerleichterung als Menschenrecht — die beste Option hängt von Phase, Wünschen und körperlichem Zustand ab. Ein guter Mix ist häufig am wirksamsten.

Nicht-medikamentöse Strategien

  • Atemtechniken (tiefe Ausatmung, 4-7-8)
  • Bewegung: Gehen, Kreisen auf dem Gymnastikball
  • Warmes Wasser: Dusche, Badewanne, Wassergeburt
  • Gegendruck auf das Kreuz durch Partner:in / Doula
  • TENS-Gerät (transkutane Nervenstimulation) — evidenzbasiert in Frühphase
  • Massage, Aromatherapie (Öl muss geburtsgeeignet sein)
  • Hypnobirthing, Visualisierung
  • Musik, gedimmtes Licht, vertraute Umgebung

Medikamentöse Optionen

  • Lachgas (N2O) — schnell, kurzwirksam, wenig Auswirkung auf Baby
  • Opioide (z. B. Piritramid, Meptazinol) — lindern deutlich, sollten nicht kurz vor Austreibung gegeben werden
  • Periduralanästhesie (PDA/Epidural) — häufigste regionale Methode, senkt Schmerz sehr effektiv
  • Spinalanästhesie — vor allem für Kaiserschnitt
  • Kombinationsverfahren (CSE) — Vorteile beider Verfahren

Bevor du in die Klinik aufbrichst

Entspannungs-Check

  • Einmal in Ruhe auf die Toilette
  • Ein Glas Wasser trinken, eine Kleinigkeit essen
  • Klinik anrufen und den Verlauf schildern
  • Geburtsplan und Mutterpass rausnehmen
  • Wenn möglich: 30 Minuten atmen, bewegen, herausspüren
  • Wenn alles stabil: losfahren, nicht selber fahren

Und ganz wichtig: vertraue deinem Bauchgefühl. Du darfst jederzeit anrufen und sagen: „Ich bin nicht sicher, ich komme lieber.“ Keine Hebamme und keine Klinik wird dich darüber belehren. Lieber einmal umsonst gefahren als einmal zu spät.

Häufige Fragen zu Wehen

Wie fühlen sich echte Wehen wirklich an?
Wie eine Welle, die von tief im Kreuz beginnt und sich nach vorne um den Bauch zieht. Der Bauch wird bretthart. Zwischen den Wehen ist der Bauch wieder weich und du kannst atmen. Sie werden länger, stärker und regelmäßiger.
Ab wann gelten Übungswehen als normal?
Ab SSW 20. Vor SSW 37 sollten sie selten, unregelmäßig, schmerzfrei und durch Ruhe leicht zu stoppen sein. Mehr als 4 Kontraktionen pro Stunde vor SSW 37 — Klinik anrufen.
Wie unterscheide ich Senkwehen von Geburtswehen?
Senkwehen sind unregelmäßig, ziehen nach unten, gehen durch Ruhe weg und werden nicht intensiver. Geburtswehen werden regelmäßig, stärker und bleiben auch bei Ruhe.
Was ist das Zeichnen?
Ein gelöster Schleimpfropf mit leichten Blutspuren — Zeichen, dass sich der Muttermund verändert. Geburt kann noch Stunden oder Tage entfernt sein.
Blasensprung — was jetzt?
Farbe und Geruch merken. Klar = meist ok, Zeit und Fruchtwasser notieren und die Klinik anrufen. Grün, bräunlich oder übelriechend = sofort fahren. Ist der Kopf des Babys noch nicht im Becken: liegen bleiben und 112 rufen (Gefahr des Nabelschnurvorfalls).
Wie lange dauert die Geburt beim ersten Kind?
Der Median liegt bei Erstgebärenden bei 8–12 Stunden aktiver Geburt. Eine Bandbreite von 6 bis 24 Stunden gilt als normal. Bei Mehrgebärenden oft nur 5–8 Stunden.
Können Wehen auch nur im Rücken sein?
Ja, bei sogenannter „Rückenwehe“ — Baby liegt meist mit dem Rücken zu deinem Rücken (posterior). Oft mit anhaltendem Kreuzschmerz zwischen den Wehen. Wechsel der Position (Vierfüßler, Seitlage) kann viel helfen.
Ab wann in die Klinik bei Zweitgebärenden?
Eher früher — schon bei 7-1-1 oder wenn die Wehen regelmäßig und deutlich sind. Zweite und weitere Geburten sind im Schnitt deutlich schneller.
Was hilft bei Wehen natürlich?
Atemtechnik, Bewegung (Gymnastikball, Gehen), warmes Wasser, Gegendruck auf Kreuzbein, TENS in Frühphase, warme Kompressen — evidenzbasiert nach WHO und Cochrane-Reviews.
Wann ist es eine Frühgeburt?
Regelmäßige Wehen oder Blasensprung vor SSW 37+0. Bei Verdacht immer sofort in die Klinik — moderne Medizin kann die Geburt oft noch hinauszögern und Lungenreifung unterstützen.
Kann Sex Wehen auslösen?
Theoretisch ja (Prostaglandine, Oxytocin), praktisch nur, wenn der Muttermund bereits reif ist — also nahe am Termin. Bei ungestörter Schwangerschaft ist Sex erlaubt, bei vorzeitigen Wehen oder muttermundsproblemen nicht.
Mein Termin ist überschritten. Wann wird eingeleitet?
Die meisten Kliniken bieten ab SSW 41+0 Monitoring, ab SSW 41+3 bis 42+0 wird häufig eingeleitet. ACOG und DGGG empfehlen Einleitung spätestens mit 42+0, um Risiken für das Baby zu senken.

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Dieser Ratgeber ersetzt keine medizinische Betreuung. Bei Blutungen, grünem Fruchtwasser, deutlich reduzierten Kindsbewegungen, anhaltenden Kopfschmerzen/Sehstörungen, starken Bauchschmerzen außerhalb der Wehen oder wenn etwas sich falsch anfühlt — sofort Klinik oder 112. Vertraue deinem Bauchgefühl.